Für wen werden Radwege gebaut?

Jeder Radfahrer kennt das Ärgernis schlechter Radwege – die meisten Radfahrer regen sich darüber auf. Autofahrer empfinden es als Großzügigkeit, dass man extra für Radfahrer einen eigenen Radweg gebaut hat und erwarten, dass Radfahrer diesen auch nutzen – egal in welchem Zustand er ist und ob er dorthin führt, wo der Radfahrer möchte. Radfahrer auf der Fahrbahn werden von vielen Autofahrern geschnitten und genötigt, eine Gefährdung wird oft in Kauf genommen, um diese auf „Ihre“ Spur zu verweisen.

Doch wer hat Radwege eigentlich erfunden – und zu welchem Zweck?

„Zeigen wir [zur kommenden Olympiade 1936] dem staunenden Ausländer einen neuen Beweis für ein aufstrebendes Deutschland, in dem der Kraftfahrer nicht nur auf den Autobahnen, sondern auf allen Straßen durch den Radfahrer freie, sichere Bahn findet.“

Aus einer Presseerklärung des Reichsverkehrsministeriums zur Einführung der allgemeinen Radwegebenutzungspflicht in der RStVO vom 1. Okt. 1934) zitiert nach Volker Briese: Geschichte der Radfahrwege. Radfahrwege für die Entwicklung des Kraftverkehrs. In: ADFC (Hrsg.): ForschungsDienst Fahrrad. Nr. 218, 28. Mai 1994.

Radwege sind eine Erfindung um Autofahrer nicht durch Radfahrer zu behindern. Sie sind keine Errungenschaft der Fahrradfahrer. Sie sind eine Errungenschaft für Autofahrer.

Nur deshalb braucht es auch eine Benutzungspflicht für Radwege. Gute Radwege, die der Sicherheit und dem zügigen Fortkommen von Radfahrern dienen, bräuchten keine Benutzungspflicht. Jeder Radfahrer würde sie gerne freiwillig benutzen.

Jedes Verkehrszeichen „benutzungspflichtiger Radweg“ ist ein Zeichen dafür, dass die Belange der Radfahrer die Kommune einen Scheiß interessieren.

Autor: Ralph Lindner

Hier blogge ich zu Themen wie Internet, Technik, Lernen, Städteplanung oder Mobilität.

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