Radfahrerin in Nürnberg von LKW überfahren

Ein weiteres Opfer hat die mangelhafte Verkehrsinfrastruktur in Nürnberg gefordert. Sichere Verkehrswege für Radfahrer gibt es in der fränkischen Metropole nur, wenn dies den Autoverkehr nicht einschränkt und nicht so viel kostet.

Heute morgen kostete diese Grundlage hiesiger Verkehrsinfrastruktur und das Verhalten eines LKW-Fahrers wieder ein Menschenleben.

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Verkehrsunfälle und „Fehlverhalten“

Zweithäufigstes Fehlverhalten war das Überschreiten der Fahrbahn durch plötzliches Hervortreten hinter Sichthindernissen (26,7 %).

Quelle: Statistisches Bundesamt: Verkehrsunfälle – Kinderunfälle im Straßenverkehr, 2015
Gerade habe ich meine Tochter in den Kindergarten gebracht. Ich frage mich wie Kinder Straßen denn anders überqueren sollen, in deren Kreuzungsbereich Autos parken, die deutlich höher sind, als sie selbst. Irgendwie müssen sie ja aus der Lücke zwischen den Autos „hervortreten“. Und da sie die Straße aufgrund der dort parkenden Autos nicht einsehen (über die Autos blicken) können und warten bis die Straße frei ist, wird der herannahende Autofahrer dieses Hervortreten als „plötzlich“ wahrnehmen – falls er gerade in diesem Moment vorbei fährt.
Das Parken im Kreuzungsbereich stellt eine erhebliche Gefährdung dar und darf nicht toleriert werden. Leider bleibt das eigentliche Fehlverhalten – das Parken eines Autos im Kreuzungsbereich – für den Gefährder meist folgenlos.

Fahrradrowdy und Autoverkehrbehinderer

Man hört ja immer wieder, dass Fahrradfahrer sich nicht an Verkehrsregeln halten und lauter Rowdys per Rad unterwegs sind. Das stimmt – ich gehöre auch dazu. Ich bin überwiegend mit dem Auto unterwegs. Den meisten Zeitgenossen gelte ich vermutlich als Verkehrshinderniss, da ich mich sowohl an Geschwindigkeitsbegrenzungen halte als auch vorschriftsmäßig parke. Unverständnis prallt mir als Autofahrer entgegen, wenn ich (korrekt) auf der Straße und nicht (falsch) auf dem Gehweg parke. Fahre ich 50 in der Stadt – sehe ich von den SUVs hinter mir meist nur noch den Kühler im Rückspiegel.

Ganz anders auf dem Fahrrad. Da würde ich mich auch an Regeln halten – nur ist das nicht so einfach. Links abbiegen ist z. B. eine alltägliche Aufgabe, die man mit dem Auto an allen Kreuzungen ohne einen Regelverstoß bewältigen kann. Mit dem Fahrrad ist das meist nicht möglich ohne die Benutzungspflicht für Radwege zu verletzten oder unerlaubt einen Fußgängerüberweg zu befahren. Natürlich könnte man sein Fahrrad auch schieben – in meiner Jugend habe ich das auch öfters mit meinen Autos getan – geht schon, aber wozu hat man ein Fahrzeug, doch zum fahren und nicht zum schieben, oder?

Ist es zu viel verlangt, wenn auch Fahrradfahrer fahrend an ihr Ziel gelangen möchten?

Darüber hinaus gibt es auch Regelungen, die man – zumindest im vorbei fahren mit >= 20km/h nicht verstehen kann. Die Fahrradampel auf dem Foto zum Beispiel. Verstehen Sie, für wen sie gilt und was sie uns sagen möchte?

Gefunden habe ich das gute Stück auf einem benutzungspflichtigen Radweg in der Stadt Stein. Nach längerem Studium der Kreuzungssituation vermute ich, dass Radfahrer bei roter Ampel anhalten müssen, da es sein könnte, dass ein Fußgänger vom Gehweg rechts die Straße links (Fußgängerampel) überqueren möchte – oder von links kommt. Der Fußweg kreuzt also den gerade aus weiter führenden Radweg, was einen eifrigen Verkehrsplaner wohl zu dieser Ampel für Radfahrer motiviert hat.
Ob der Mann – oder die Frau – selbst an dieser roten Ampel anhält, falls er jemals mit dem Rad vorbei kommen sollte, auch wenn gar keine Fußgänger in Sicht sind?

Es ist leicht sich an Regeln zu halten, wenn diese gemeinsamen Zielen dienen. Es ist Unsinn, sich an Regeln zu halten, wenn diese ausschließlich das Interesse einer Partei berücksichtigen und alle anderen Interessen hint‘ angestellt werden, bzw. überhaupt nicht berücksichtigt werden. Wer regelkonformes Verhalten aller Verkehrsteilnehmer wünscht, muss Regeln aufstellen, welche den Bedürfnissen aller gerecht werden.

Blut statt Farbe

Rote Farbe für Radwege ist Nürnberg zu teuer

Täglich kommt es zu schweren Verletzungen von Radfahrern, weil sie von Autofahrern übersehen werden. Gerade abbiegende Autofahrer übersehen häufig Radfahrer – auch (oder gerade) wenn diese auf Radwegen fahren. Wegen dieser Gefahr dürfen z. B. Gegenrichtungsradwege innerhalb geschlossener Ortschaften nicht verpflichtend angeordnet werden – auf keinen Fall jedoch, wenn sie von vielen Kreuzungen unterbrochen werden.
Es gibt also Regelungen und Gesetze, die teilweise gar nicht so schlecht sind. Nur halten auch Städte und Gemeinden sich nicht in jedem Fall – die Stadt Nürnberg ganz sicher nicht immer – an geltendes Recht. Gerade in Bayern sind die rechtlichen Möglichkeit für Bürger gegen verkehrsrechtswidriges Handeln der Verwaltung vorzugehen stark eingeschränkt.

Hier in Nürnberg gibt es Radwege in katastrophalem Zustand. Sie beginnen irgendwo und enden plötzlich. Abbiegen für Radfahrer ist üblicherweise nicht vorgesehen und die Radwege führen mitunter entgegen der Fahrtrichtung, wo sie ca. alle 50m von ab- und einbiegenden Autos gequert werden. Eine untragbare Situation die zu einer erheblichen Gefährdung der Bürger führt, die mit dem Rad in der fränkischen Metropole unterwegs sind.

Was müssten die Städte tun?

Natürlich die Prioritäten bei der Verkehrswegeplanung anders setzen. Wenn erreicht werden soll, dass ein erheblicher Anteil des Verkehrs vom Auto auf das Rad verlagert wird, muss man die Bevorzugung der Verkehrsmittel umkehren. Wenn Radmobilität weiterhin als Begleiterscheinung auf Straßen die für Autos gebaut werden angesehen wird – dann wird es nichts mit dem massenhaften Umstieg aufs Rad.

Ist das teuer

Wie immer kommt es drauf an, was „man“ will und was es „einem“ wert ist. Will „man“ aber etwas nicht – ist jeder Euro einer zu viel.

Was will Nürnbergs Stadtrat heute?

In Nürnberg will man offensichtlich möglichst wenig Geld für irgendwelche Radfahrer und deren Infrastruktur ausgeben. Sich als modern und fahrradfreundlich darstellen (so lange es nichts kostet) – JA! Ein Verkehrskonzept das Radfahrer gleichberechtigt einbezieht und dafür Autoprivilegien abschafft – NEIN! Fahrradstraßen – NEIN! Radwege gemäß der Verwaltungsanordnung gestalten und dementsprechend umbauen – NEIN! Die bestehenden und oft sehr gefährlichen Radwege wenigstens rot anstreichen, damit Autofahrer und Fußgänger sie zumindest als Radwege erkennen – NEIN!
Die C.S.U gilt in Nürnberg als autofahrerfreundlich und wenig geneigt etwas für fahrradfahrerende Bürger zu tun – falls es Geld oder Parkplätze kostet. Der SPD gebührt die Rolle der Unschuld, die ja gerne würde – wenn man sie denn nur ließe.

Aber stimmt das – oder ist das einfach nur Nürnberger Stadtratstheater in seiner tausendsten Wiederholung?

Blut statt Farbe

Rote Farbe ist Nürnberg zu teuer. Das Blut der Radfahrer, das in den nächsten Jahren auf Nürnbergs Straßen fließen wird, ist uns weniger Wert als die rote Farbe kostet. Vielleicht sollte SÖR es zukünftig nicht mehr aufwischen, sondern verteilen – ist schließlich auch rot und kostet nichts – nur manchem Rad fahrenden Bürger das Leben.

Ihr Nürnberger Stadträte: Das Blut verletzter Radfahrer in Nürnberg klebt auch an euren Händen! Denkt daran, wenn ihr demnächst in der Zeitung mal wieder von einem überfahrenen Radfahrer lest.


siehe auch

Wer einmal lügt…

In der Septemberausgabe der „Wirtschaft in Mittelfranken“ (WiM ) wirbt der nordbayerische VW-Partner, die Feser-Graf-Gruppe für ein e-Golf Leasingfahrzeug mit der Überschrift: „e-Golf 85 kW (115) PS 6-Gang-Automatik“ (siehe WiM Ausgabe 2016-09, Seite 2).

Als Elektrofahrzeug-Interessierter wunderte ich mich über diese Aussagen. Ist es nicht gerade ein Vorteil der E-Fahrzeuge, dass man kein aufwändiges Getriebe mit seinen „Wer einmal lügt…“ weiterlesen