Seien Sie der Chef über Ihr E-Mail-Postfach

Sie – als Chef – wie verhalten Sie sich? Haben Sie für jedermann immer eine offene Tür oder wimmeln Sie erst einmal alle ab? Fragen Sie Befürworter der offenen Tür-Strategie, dann werden Ihnen diese erklären, dass dadurch viele Probleme schon im Vorfeld aus der Welt geräumt werden können, vieles sofort geklärt werden kann und dadurch keine unnötigen Ressourcen aufgewendet werden müssen. Die Abwimmler unter den Chefs werden auch gute Argumente dafür anführen können und davon überzeugt sein, dass Menschen mit Themen die wichtig sind, sich nicht so leicht abwimmeln lassen und ihr Anliegen in jedem Fall erneut vortragen werden.

Doch was hat das mit E-Mail und Spam zu tun?

Auch hier sind beide genannten Strategien umsetzbar. Zuerst einmal verhält sich ein E-Mailserver wie ein Chef mit offener Tür. Alles darf rein und wird sofort durchgestellt. Um dem ganzen Unrat und Spam vom Chef abzuhalten, gibt es digitale Vorzimmer-damen/-herren, welche die eingehende Mailflut filtern und Unerwünschtes entfernen – bei Ihrem E-Mail Postfach ist das der Job des Spamfilters.
Doch Vorzimmerdamen und Spamfilter können sich auch mal irren, außerdem kann es passieren, dass sie unnötig viel Arbeit in das Aussortieren der unerwünschten Post stecken müssen. Schließlich können Sie Ihrer Vorzimmerdame bzw. Ihrem Spamfilter auch beibringen wessen Anliegen in jedem Fall, wessen Anliegen nie passieren dürfen (Whitelisting und Blacklisting) oder sie können sie autorisieren, dass bestimmte Anliegen zu bestimmten Themen oder von bestimmten Leuten immer an andere verwiesen werden sollen (Mailfilter). Doch all das ist mühsam und aufwändig und muss immer wieder an neue Erfordernisse angepasst werden.

Am Empfang kommt niemand vorbei

Deshalb wurde zusätzlich noch ein Empfang eingerichtet, dessen Aufgabe es ist, nur diejenigen vorzulassen, die hierfür vorgesehen sind und alle anderen erst mal abzuwimmeln. Wenn es wichtig ist, werden sie schließlich wieder kommen und dann kann man sie immer noch an die nächsthöhere Instanz (das Vorzimmer) weiter leiten.

Dieser Empfang ist vergleichbar mit dem Greylisting (auch Graylisting) eines Mailservers. Er wimmelt erst mal alle ab und teilt den Mailservern von denen eingehende E-Mails stammen mit, dass er gerade beschäftig ist und keine Mails annehmen kann. „Normale“ Mailserver versuchen darauf hin zu einem späteren Zeitpunkt eine erneute Zustellung der E-Mail. Spammende Mailserver machen das (üblicherweise) nicht, denn da ein großer Teil der verwendeten E-Mailadressen nicht funktioniert, würden die erneuten Zustellversuche den Mailserver sehr schnell blockieren.

Löst Greylisting das Spam-Problem?

Wie im realen Leben ist Abwimmeln nicht immer eine gute Strategie. Vielleicht war ein Anliegen ja nicht nur wichtig, sondern auch sehr dringend und durch das Verzögern hat sich die Sache erledigt – eine Chance ging verloren. Außerdem behindert diese Maßnahme nicht nur Spammer, sondern alle, die Ihnen eine E-Mail senden möchten. Als besonders nervend wird eine Verzögerung sicherlich gerade von den wichtigen Kommunikationspartnern empfunden, schließlich wird hierdurch die Zustellung aller E-Mails verzögert. Und zu guter Letzt ist es auch nicht vorhersehbar ob und wann der sendende Mailserver den Zustellversuch wiederholen wird.
Gegen Greylisting spricht auch, dass sich Spammer bisher immer erfolgreich auf jede Gegenmaßnahme eingestellt haben und tatsächlich zeigen unsere Analysen, dass trotz Greylisting Spam ankommt – wenn auch in stark reduzierter Anzahl.

Greylisting – ja oder nein, oder vielleicht jein?

Jeder muss für sich selbst entscheiden, welches Verhalten seines Mailservers er wünscht und welche Maßnahmen er ergreifen möchte. Ich habe für mich persönlich entschieden Greylisting als Standard zu aktivieren – außer für ein „Express-Postfach“, also eine E-Mailadresse, die nicht veröffentlicht und nur denjenigen Personen mitgeteilt wird, die in der Lage sein sollen schnell und ungefiltert E-Mails an mich zu senden – etwa, während sie mit mir telefonieren.

Dass auch diese Adresse irgendwann „verbrennt“ wenn Spammer z. B. Zugriff auf die Adresslisten meiner Kommunikationspartner erlangen, ist mir klar – aber bis dahin genieße ich Beides: Einen Empfang der abwimmelt und erst bei erneuter Kontaktaufnahme an das Vorzimmer weiter leitet in dem sein Anliegen geprüft und vorsortiert wird und gleichzeitig eine direkte Hotline für über die man nahezu in Echtzeit Mails erhalten kann.

Sie entscheiden – wir realisieren

Ich hoffe meine Vergleiche mit der „realen“ Welt haben Ihnen dabei geholfen die Verfahren einzuschätzen und für sich zu entscheiden welchen Umgang mit E-Mails Sie wünschen. Wenn Sie wissen was Sie wollen, oder wenn Sie noch Fragen haben, stehen wir Ihnen gerne bei der Realisierung und Anpassung Ihres Mailservers zur Verfügung.

Die Stadt Nürnberg sorgt für sichere Radwege!

So sieht es aus, wenn die Stadt Nürnberg für Sicherheit sorgt – vielen Dank auch!

Endlich mal ein positives Beispiel – nach all der Nörgelei! Wie dieses Foto beweist, sorgt die Stadt Nürnberg sehr wohl für die Sicherheit auf Radwegen. Dieser neu gebaute Radweg ist zwar noch nicht eröffnet, aber wie zu sehen ist, müssen sich Radfahrer keine Sorgen machen. Wenn sie gegen den Betonpfosten gefahren sind, der mitten auf dem Radweg steht, dann wird ihnen (bestimmt) schnell geholfen werden, denn – wie das Schild mitteilt – für unsere Sicherheit wird viel getan – dieser Bereich wird videoüberwacht. Dafür ein recht herzlichen Dank verbunden mit einem Stinkefingergruß an die verantwortlichen Mitarbeiter der Nürnberger Behörde.

P.S. Es gibt ja Leute, die mich für einen Zyniker halten – aber ich bin wohl ein dilettantischer Amateur in Sachen Zynismus – verglichen mit den Profis unter Nürnbergs Verkehrsplanern.

Ergebnisse des Fahrradklima-Test für Nürnberg

Die Ergebnisse des Fahrradklima-Tests 2016 wurden veröffentlicht. Mehr als 120.000 Bundesbürgerinnen und -bürger haben 539 Städte und Gemeinden im Herbst 2016 bewertet. Die Umfrageteilnehmer haben 27 Fragen beantwortet und jeweils eine Wertung nach dem Schulnotensystem vorgenommen. So wurde ermittelt ob das Radfahren Spaß oder Stress bedeutet, ob beispielsweise Radwege vor Falschparkern frei gehalten werden und ob sie sich auf dem Fahrrad sicher fühlen.

Wir haben uns die Ergebnisse angesehen und dabei besonderes Augenmerk auf die Bewertung unserer Heimatstadt Nürnberg gelegt. Der Nürnberger im Allgemeinen und unsere Verkehrsplaner im Besonderen sind ja bekannt für ihre Anstrengungen die sich mit „geht scho“ und „passt scho“ zusammen fassen lassen. Wer das Mittelfeld zum Ziel hat, muss sich nicht wundern, wenn er im letzten Drittel landet.

Vorrücken gefährdet

So auch das Ergebnis des Fahrradklima Tests für die Stadt Nürnberg. Aufgrund der Teilnahme von 1570 Personen aus der Stadt Nürnberg muss der Test als representativ angesehen werden. Die Gesamtbewertung liegt bei der Schulnote 4,1 und liegt dabei auf dem Platz 24 von insgesamt 39 Städten in der Größenordnung ab 200.000 Einwohner.

Im Detail fällt auf, dass die beiden einzigen (noch) guten Noten für die „Erreichbarkeit des Stadtzentrums“ (2,9) und die „Öffentlichen Fahrräder“ (ebenfalls 2,9) vergeben wurden. Letztere Note ist der Tatsache geschuldet, dass zum Zeitpunkt der Befragung das Fahrradverleihsystem noch funktionierte – was sich in der Zwischenzeit geändert hat. Diese 2 repräsentiert heute nicht mehr die aktuelle Situation.

Beendet das Parken auf Geh- und Radwegen

Warum freie Parkplätze nutzen – wenn es auch einen Radweg gibt?

Sieht man sich die negativen Spitzenreiter in Nürnberg an, so fällt mit der Note 5,3 „Falschparkerkontrolle auf Radwegen“ auf. Das verwundert nicht, denn nicht nur Taxifahrer, Paketdienstfahrer und Monteure von irgendwas halten in unserer Stadt Rad- und Fußwege für optional verfügbaren Parkraum. Dagegen wird praktisch – außer in den von städtischen Verkehrsüberwachern kontrollierten Stadtteilen – überhaupt nicht vorgegangen. Meldungen von Bürgern an Polizei und SÖR werden üblicherweise nicht beachtet – man hat schließlich Wichtigeres zu tun.

Die zweite 5 erhielt die Stadt Nürnberg für „Ampelschaltungen für Radfahrer“. Es scheint so etwas zu geben – anderswo. Anderswo können Radfahrer an Ampeln auch auf einer dedizierten Wartefläche VOR den Kfz warten (das gibt es in Nürnberg auch, an exakt 2 Stellen). Die Umsetzung der Bevorrechtigung für Radfahrer scheitert in Nürnberg an dem allseits bekannten Dogma, dass man „die anderen“ Verkehrsteilnehmer nicht wegen der Radfahrer benachteiligen darf. Also benachteiligt man die Radfahrer.

Das dritte „Mangelhaft“ schließlich erhält Nürnberg für seine „Bemühungen“ der Verkehrsführung an Baustellen. Üblicherweise besteht die besondere Verkehrsführung für Radfahrer an Baustellen darin, dass am Beginn der Baustelle ein Schild „Radweg Ende“ und am Ende der Baustelle evtl. ein Schild „Radweg Anfang“ aufgestellt wird. Manchmal auch ein Zusatzschild „Radfahrer absteigen“.  <Sarkasmuswarnung>Ich warte ja immer noch auf die Baustellenbeschilderung auf der steht „Autofahrer schieben“. </Sarkasmuswarnung>

Nach dem Test ist vor dem Test

So richtig gut haben Radfahrer in Nürnberg nichts bewertet. Gerade die negativen Spitzenreiter wären aber so leicht zu verbessern:

Kreuzungen für Radfahrer sicher machen

Warum wird (nicht einmal bei Neubaumaßnahmen, wie der vor kurzem fertiggestellten Kreuzung Minervastraße in der Gartenstadt) keine Wartefläche für Fahrräder VOR der KFZ-Haltelinie markiert und eine angemessene bevorrechtigte Ampelschaltung eingerichtet? Gefährliche Radspurmarkierungen ohne eine Möglichkeit vorzusehen auf dem Radweg abzubiegen dürfen auch in Nürnberg auf vielbefahrenen Hauptstraßen nicht mehr Standard bei Neubauten sein! Die nächsten Abbiegeunfälle Laster gegen Radfahrer sind vorprogrammiert.

Die Stadt Nürnberg muss bei allen Neubaumaßnahmen geeignete Verkehrsführungen für Radfahrer und Fußgänger vorsehen, die NICHT dem Kfz-Verkehr untergeordnet sind. Eine Kreuzung dient dem sicheren Wechsel der Richtung für alle – das muss auch für Fuß- und Radwege gelten und entsprechende Wege und Ampelschaltungen müssen sofort umgesetzt werden.

SÖR und externe Dienstleister

Sicherungsmaßnahmen an Baustellen werden in Nürnberg einerseits vom „Service öffentlicher Raum“ (SÖR) selbst (z. B. bei Gehwegereparaturen) andererseits von speziell hierfür beauftragten „externen“ Dienstleistern vorgenommen. Im Ergebnis klappt oft beides nicht. Beobachtet man die Realität an Baustellen, stellt man fest: Radfahrer schieben nicht und Fußgänger wechseln nicht die Straßenseite – auch nicht wenn ihnen das ein Schild vorschreibt. Übrigens: Autofahrer auch nicht – nur wird das von denen nicht erwartet.

Umleitung für Radfahrer Fehlanzeige ! Echte Nürnberger Radler kommen da durch.

Die Verkehrsregelungsmaßnahmen müssen das reale Verhalten der Verkehrsteilnehmer beachten und dürfen sich nicht einfach auf Verbote berufen. Ein Radfahrer darf erwarten, dass er – wenn auch unter eingeschränkten Umständen – eine Baustelle fahrend passieren kann. Ein Fußgänger darf erwarten, dass er eine Baustelle passieren kann ohne an einer Hauptstraße auf die andere Straßenseite zu wechseln (zumal das Überschreiten der Straße an solchen Stellen meist nicht vorgesehen ist).

Die Reduktion einzelner Fahrspuren sollte immer vorgenommen werden, wenn nur hierdurch die Aufrechterhaltung der Verkehrswege für alle Teilnehmer möglich ist.

Auf Schulungen sollten alle Mitarbeiter die an Baustellen im öffentlichen Raum im Einsatz sind sensibilisiert werden. Sie sehen vor Ort Schulkinder, die auf der Straße laufen, da der Gehweg durch eine Baustelle blockiert ist. Sie sehen, wenn Radfahrer verunsichert an der Baustelle stehen. Sie sind es, die Gefährdungen als erstes erkennen können. Sie müssen geschult werden, um solche Gefahrensituationen zu erkennen und ihnen sollte ein persönlicher Ansprechpartner zur Verfügung stehen, den sie einfach anrufen können. Das sollte zum Aufgabenbereich eines jeden Arbeiters auf der Straße gehören. Verbesserung der Verkehrsführung darf keinesfalls weiter als Behinderung bei der Ausführung von Baumaßnahmen angesehen werden.

Mietfahrräder (nicht nur) für ÖPNV-Kunden

Die Akzeptanz von öffentlichen Mieträdern steht und fällt mit der Koppelung an den ÖPNV. Wer einen Fahrschein für den ÖPNV erworben hat, der muss die Möglichkeit haben kostenfrei eine gewisse Zeit auch Mieträder nutzen zu können. Dieser unmittelbare Nutzen muss wieder hergestellt werden. Die Karten werden neu verteilt – wir fordern die Stadt auf der Realisation des Mietfahrräderkonzeptes große Aufmerksamkeit zu widmen und auch kreative Konzepte zur Finanzierung zu prüfen.

Ein Neuanfang ist immer auch eine Chance: Nürnberg sollte die Chance nutzen. So kann auch vermieden werden, dass Nürnberg beim nächsten „Fahrradklimatest“ noch schlechter abschneidet.

Doch ohne einen grundsätzlichen Wandel – ohne eine Abkehr vom Dogma „Autostadt“ – wird es bei bestenfalls halbherzigen Ansätzen bleiben. Eine Gleichberechtigung oder gar Bevorzugung des Rad- und Fußverkehrs der Stadt ist nötig. Dies ist aber nicht ohne eine gerechte Neuverteilung des öffentlichen Raumes zu haben. Kein Parkplatz steht unter Naturschutz.


Quellen:

Radfahrerin in Nürnberg von LKW überfahren

Ein weiteres Opfer hat die mangelhafte Verkehrsinfrastruktur in Nürnberg gefordert. Sichere Verkehrswege für Radfahrer gibt es in der fränkischen Metropole nur, wenn dies den Autoverkehr nicht einschränkt und nicht so viel kostet.

Heute morgen kostete diese Grundlage hiesiger Verkehrsinfrastruktur und das Verhalten eines LKW-Fahrers wieder ein Menschenleben.

„Radfahrerin in Nürnberg von LKW überfahren“ weiterlesen

Verkehrsunfälle und „Fehlverhalten“

Zweithäufigstes Fehlverhalten war das Überschreiten der Fahrbahn durch plötzliches Hervortreten hinter Sichthindernissen (26,7 %).

Quelle: Statistisches Bundesamt: Verkehrsunfälle – Kinderunfälle im Straßenverkehr, 2015
Gerade habe ich meine Tochter in den Kindergarten gebracht. Ich frage mich wie Kinder Straßen denn anders überqueren sollen, in deren Kreuzungsbereich Autos parken, die deutlich höher sind, als sie selbst. Irgendwie müssen sie ja aus der Lücke zwischen den Autos „hervortreten“. Und da sie die Straße aufgrund der dort parkenden Autos nicht einsehen (über die Autos blicken) können und warten bis die Straße frei ist, wird der herannahende Autofahrer dieses Hervortreten als „plötzlich“ wahrnehmen – falls er gerade in diesem Moment vorbei fährt.
Das Parken im Kreuzungsbereich stellt eine erhebliche Gefährdung dar und darf nicht toleriert werden. Leider bleibt das eigentliche Fehlverhalten – das Parken eines Autos im Kreuzungsbereich – für den Gefährder meist folgenlos.