Radfahrerin in Nürnberg von LKW überfahren

Ein weiteres Opfer hat die mangelhafte Verkehrsinfrastruktur in Nürnberg gefordert. Sichere Verkehrswege für Radfahrer gibt es in der fränkischen Metropole nur, wenn dies den Autoverkehr nicht einschränkt und nicht so viel kostet.

Heute morgen kostete diese Grundlage hiesiger Verkehrsinfrastruktur und das Verhalten eines LKW-Fahrers ein Menschenleben.

Eine Radfahrerin wurde an der Kreuzung Ulmenstraße/Vogelweiherstraße in Nürnberg von einem abbiegenden Betonmischer überfahren. Die 33-Jährige erlag ihren schweren Verletzungen wenig später im Krankenhaus. Der 25-jährige Fahrer des Betonmischers bog mit seinem Fahrzeug kurz vor 9 Uhr von der Vogelweiherstraße nach rechts in die Ulmenstraße ein. Die Fahrradfahrerin fuhr auf der Straße. Einen sicheren Verkehrsweg für Radfahrer gibt es an dieser Stelle weder auf der vierspurig ausgebauten Ringstraße noch auf der Querstraße.

Die Straßensituation vor Ort kann man hier ansehen:

Die gefährliche Kreuzung ist Radfahrern – aber auch den Verantwortlichen in der Verwaltung bekannt. Bereits vom 31.3.2015 stammt der folgende Hinweis in Nürnbergs Gefahrenatlas: „Nachdem der Radweg vor der Vogelweiherstraße in einer Rechtsabbiegerspur endet, muss man über die holprig gepflasterte Bushaltebucht fahren, um wieder auf den Radweg zu gelangen, was bei haltenden Bussen schwierig ist und für Ortsunkundige zu spät erkennbar ist, so dass man erst bei der Tankstelle über den abgesenkten Bordstein wieder auf den Radweg gelangt.
Zudem werden Radfahrer im Kreuzungsbereich durch heranfahrende Busse abgedrängt bzw. von abfahrenden Busfahrern aus der Haltestelle am Erreichen des Radwegs gehindert bzw. gar auf die linke Fahrspur abgedrängt.“

Das Problem wurde von mehreren Nutzern des Gefahrenatlas bestätigt und als gewichtig eingestuft. Der Gefahrenatlas ist eine private Initiative, die den verantwortlichen Mitarbeitern in Nürnbergs Verwaltung helfen soll, Gefahrenpunkte zu entschärfen, bevor es zu solchen Unglücken kommt. Denn durch eine geeignete Verkehrsplanung wären solche Unglücke zu vermeiden.

Mehrere Einträge im Gefahrenatlas beschreiben seit Jahren die gefählriche Kreuzungssituation.

Etwa ein halbes Jahr nach dem Eintrag, am 10. November 2015 wurde anlässlich der ersten Sitzung des Runden Tisches Radverkehr dieser, sowie 550 andere – zum Teil erhebliche – Gefahrenstellen im Nürnberger Radwegenetz an den Bürgermeister sowie SÖR-Verantwortlichen der Stadt Nürnberg Christian Vogel übergeben, mit der eindringlichen Bitte, für eine zeitnahe Beseitigung der schwerwiegendsten Gefahrenpunkte Sorge zu tragen, was leider bisher keinerlei erkennbare Wirkung zeigte.

Bürgermeister Vogel nimmt den Gefahrenatlas entgegen.

Leider ist auch der erst nach der Kreuzung beginnende Radweg kein echter Sicherheitsgewinn für Radfahrer. Die am Straßenrand parkenden Fahrzeuge versperren die Sicht auf den Radweg, so dass Autos, welche den Radweg kreuzen, Radfahrer nicht deutlich genug erkennen können. Zahlreiche Ausfahrten und Grundstückszufahrten queren den Radweg. Zudem müssen Radfahrer ständig mit sich öffnenden Autotüren oder auf dem Radweg laufenden Fußgängern (fahren Sie einfach mal mit obigem Google Streetview den Radweg entlang, dann wissen Sie, was ich meine) rechnen.

Wir hoffen, dass es nicht noch oft zu solch unnötigen Opfern kommen muss, bevor die Verantwortlichen in Nürnberg aufwachen.

Wir sprechen den Angehörigen der verunglückten Radfahrerin unser Mitgefühl aus.

siehe auch:

Autor: Ralph Lindner

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