Kinder und Computer – wie lange oder was?

Wie kann man Kinder zu einem guten Einstieg in die Informationstechnik verhelfen? Was ist das richtige Alter, was das richtige Gerät und welche Apps sind geeignet? Diese Frage stellt sich für alle Eltern. Nur wenige werden darauf eine gute Antwort haben.

Da meine Kinder mittlerweile beide in einem Alter sind, in dem absehbar ist, dass sie in den nächsten Jahren ein Smartphone haben möchten und da sie beide bereits erste Erfahrungen mit einem Tablet gesammelt haben, überlege ich, wie wir den Einstieg in die IT sinnvoll unterstützen und begleiten können.

Sieht man sich um, was Jugendliche am Computer und am Smartphone so machen, so stellt man oft fest, dass der PC ausschließlich zum Zocken und das Smartphone ausschließlich für Social-Media-Aktivitäten (derzeit Instagram, Snapchat, Whatsapp) genutzt wird. Ob die Nutzung dieser Dienste schlimm ist, wage ich nicht für andere zu beurteilen. Erschreckend finde ich es allerdings, wenn die Kids trotz HiTech nicht in der Lage sind…

  • Online Informationen zu recherchieren,
  • E-Mails zu versenden und zu empfangen,
  • Routenplanung / Navigation zu nutzen,
  • Fahrpläne des ÖPNV zu recherchieren,
  • Dokumente zu scannen und zu versenden,
  • Geeignete Programme einzusetzen um Ideen zu sammeln, zu dokumentieren und zu präsentieren oder Berechnungen durchzuführen.

Während sich die meisten Artikel zum Thema „Kinder und Computer“ mit der Frage „wie lange?“ beschäftigen, möchte ich hier ausdrücklich auf die Frage „was und wozu?“ eingehen. Einem Kind, das mit einem Hämmerchen spielt und dabei einem anderen ständig auf die Finger haut, würde ich auch keine Zeitvorgabe machen, sondern mich mit seiner Art zu spielen beschäftigen.

Welche Geräte sind geeignet?

Um Kindern einen Einstieg zu vermitteln brauchen Sie eigentlich nicht viel. Warum also nicht einfach ein Gerät der „Einsteigerklasse“ kaufen?

Meine Erfahrungen mit billig Tablets (Odyss 10″ mit Android) und TrekStor mit 32-Bit Windows 10) waren katastrophal. Das Odyss-System verlor nach kurzer Nutzung die PlayStore-App, so dass keine Wartung und Updates mehr möglich sind. Ein Werksreset behob das Problem – aber nur für ein paar Tage, dann war die PlayStore-App wieder verschwunden. Eine Frechheit, so etwas zu verkaufen – egal wie billig, es ist unbrauchbarer Schrott!

Das Trekstor-Tablet mit Windows 10 funktionierte einige Zeit – zwar zäh und kaum effektiv nutzbar, weil ständig Updates das Gerät völlig auslasteten. Schlimmer ist aber, dass das Gerät mit schwacher Hardwareausstattung mit jedem Update von Windows 10 weniger zu funktionieren scheint. Mittlerweile funktionieren weder Sound noch die Touch-Bedienung – was bei einem Tablet doch ziemlich störend ist. Auch hier brachte weder der Reset auf den Werkszustand noch die Treiberaktualisierung, Online-Recherche oder der „Support“ des Herstellers Abhilfe.

Unabhängig von der mangelhaften Android-Implementierung auf dem Odyss-Gerät merkt man Android auch auf anderen Geräten (genutzt mit Nexus 7) an, dass es kein „richtiges“ Multiuser-Betriebssystem mit kompletter Benutzerverwaltung ist. Und die „Google Family“-App, die Eltern helfen soll die Geräte ihrer Kinder zu verwalten, ist leider mangelhaft bis ungenügend.

Es liegt also nahe ein „richtiges“ (Mehrbenutzer-)Betriebssystem zu nutzen, das den Nutzer und seine Daten nicht komplett an Google, Microsoft oder Apple ausliefert, auch wenn man nicht an 30 verschiedenen Stellen ein Häkchen an die richtige Stelle gemacht hat.

Ich entschied mich, für meinen Sohn einen PC, der genauso alt ist wie er (10 Jahre) flott zu machen. Der (für meinen Arbeitgeber von mir entsorgte) DELL Optiplex 330 wurde von mir mit einer 500 GB SSD (Kostenpunkt ca. 60€) ausgestattet auf der ich ein Ubuntu 18.04 installiert habe. Das System bootet zügig, ist fast geräuschlos und sowohl Programmstart, als auch Nutzung von Anwendungen und Browsern geht flott. Die Videowiedergabe ist manchmal nicht ganz flüssig, da der Dual Core-Prozessor offensichtlich die aktuellen Videocodecs nicht per Hardware implementiert hat.

Für meine Tochter reaktivierte ich einen alten Lenovo-Notebook, ebenfalls mit intel Dual Core-Prozessor allerdings nur mit 1,6 GHz Taktfrequenz.
Beide Systeme verfügen über 2 GB RAM. Auf dem Lenovo ist (noch) ein Debian „Wheezy“ installiert – was ich erst mal nicht ändern möchte.

Die eigentliche und spannende Frage ist: Welche Apps sind geeignet das Interesse der Kinder für IT und strukturiertes Denken zu wecken, ihnen die effektive Nutzung eines Computers zu vermitteln und andererseits sie mit nützlichen Anwendungen und Webdiensten vertraut zu machen?

Anhand eines vom USB-Stick gebooteten Knoppix lässt sich gut ein Überblick über verfügbare Bildungs-, Spiele- und sonstige Programme verschaffen ohne diese vorab installieren zu müssen. Bei meine Recherche fand ich folgende Programme, die ich im weiteren näher untersuchen möchte:

Maus- und Tastaturbedienung

  • Kartoffelknülch
    „Anziehpuppen“-Spiel; gut zur Vermittlung der Mausbedienung geeignet;
  • KTuxTyping

  • KTouch

Spiele und Simulationen

  • FreeCiv
  • KHangman
  • KMines (Logisches Denken)
  • Sudoku (Logisches Denken)

Rechnen, Algebra und Geometrie

  • KMathCommand

sonstige

  • KGeography
  • KStars
  • KWordQuiz

Programmierung und Prozesse strukturieren

  • Squeak
  • KTurtle

Autor: Ralph Lindner

Hier blogge ich zu Themen wie Internet, Technik, Lernen, Städteplanung oder Mobilität und betreue als Webmaster die Webseiten meiner Kunden.

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