Das Uptime-Problem und die Covid-19 Zahlen

Was hat die Zahl der Covid-19 Infizierten mit Uptime-Tests zu tun?

Wer Server administriert, der installiert Testverfahren um die Verfügbarkeit der Dienste zu prüfen und Störungen schnell zu erkennen. Diese Tests finden in bestimmten Zeitintervallen statt. Testet man die Erreichbarkeit eines Dienstes einmal in der Stunde, so beträgt die Wahrscheinlichkeit, dass einem eine Downtime von 30 Minuten entgeht in etwa 50%. Erhöht man die Häufigkeit der Tests auf 30 Minuten, so wird einem kaum eine Downtime entgehen, die mind. 30 Minuten andauert.

Das Gleiche gilt natürlich auch für kürzere Downtime. Will man jede Downtime, auch wenn diese nur 30 Sekunden andauert feststellen, so ist es nötig, dass man in einem kürzeren Intervall als 30 Sekunden die Verfügbarkeit testet.

Wenn Internetprovider also eine Aussage treffen wie „Uptime 99,5%“ so ist diese Aussage Nonsens, wenn nicht auch definiert wird, ab welcher Länge eine Downtime als solche bezeichnet wird und sichergestellt ist, dass die Testintervalle kürzer sind, als das kürzeste als Downtime definierte Intervall.

Könnten Provider, anstatt in bessere Infrastruktur zu investieren, nicht einfach die Häufigkeit der Tests reduzieren, um die Uptime (statistisch gesehen) zu erhöhen?

Nehmen wir mal an, ein Provider testet die Uptime nur noch einmal am Tag. Das hätte den Vorteil, dass er die meiste Downtime nicht als solche bemerken und diese deshalb nicht in die Statistik eingehen würde. Das Dumme dabei ist nur, dass nun jede Downtime immer gleich mindestens einen ganzen Tag andauert, selbst wenn diese nach wenigen Minuten beseitigt ist. Trotz dieses Tricks würde die Downtimestatistik also nicht zwangsläufig besser, sie würde nur ungenauer.

Was aber, wenn der Provider die Downtime nur einmal am Tag misst, im Störungsfall, aber das Prüfintervall auf wenige Sekunden senkt?
Diese zunächst mal plausible Lösung stellt einen gelungenen Manipulationsversuch dar, die dazu führen wird, dass die Uptime-Statistik sehr gute Ergebnisse liefert, selbst bei miserabler Uptime des Systems.
Ob es Provider gibt, welche so verfahren ist mir nicht bekannt – für Hinweise wäre ich dankbar. Ob es Kunden gibt, welche auf solche Taschenspielertricks hereinfallen würden – ich nehme das an, weiß es aber nicht.

Was aber hat der ganze Nerdkram mit Corona-Virus zu tun?

Wer Infizierte nicht testet, hat keine Infizierten. So weit so einfach. Er hat aber auch keine Chance die Ausbreitung zu reduzieren. Um die Ausbreitung zu verhindern ohne zu riskieren, dass die Zahl in der Statistik steigt, müsste man den Menschen die Symptome zeigen, anstatt sie zu testen, auch noch strikte Quarantäne verordnen. Falls es dann – z. B. aufgrund eines intensivmedizinisch zu behandelnden Notfalls doch zu einem Test kommt, und man so bald die Symptome abklingen, möglichst schnell und ggf. zeitnah wiederholt testet, dann würde das die Zahl der Infizierten senken und die Zahl der Genesenen – in der Statistik (aber leider nur dort) – erhöhen.

Falls also die Tests anstatt für Menschen mit Symptomen lieber für genesende Infizierte eingesetzt werden, hilft das zwar nicht gegen die Ausbreitung der Infektion, schönt aber die Statistik ungemein.

Welchen Grund gibt es Menschen mit Symptomen ungetestet in Quarantäne zu schicken und gleichzeitig nachweislich Infizierte auf dem Weg der Besserung zu testen – anstatt Ihnen häusliche Quarantäne zu verordnen?

Autor: Ralph Lindner

Hier blogge ich zu Themen wie Internet, Technik, Lernen, Städteplanung oder Mobilität und betreue als Webmaster die Webseiten meiner Kunden.

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