Agentur für Social Activities buchen – und Honorar sparen.

Wird eine Agentur gebucht, die dafür sorgen soll, dass auf den Firmen-facebook-Seiten oder den neuen Corporate-Seiten bei Google „mehr los“ ist und damit impliziert, dass die Agentur reale Userkommunikation vortäuscht, dann kann sich der Auftraggeber meist sein Honorar sparen. Eine solche Tätigkeit einer Agentur stellt (vermutlich) einen Wettbewerbsverstoß dar und ist damit als „mangelhafte“ Leistung nicht dem Kunden in Rechnung zu stellen. Doch fordert der Auftraggeber eine Agentur zu solchen Tätigkeiten auf, verhält sich auch der Auftraggeber wettbewerbswidrig und riskiert neben Schäden an seiner Reputation Ärger mit seinen Mitbewerbern.

Agenturen, die in diesem „Geschäftsmodell“ tätig sind riskieren also nicht nur Honorarausfälle, sondern auch Schadensersatzforderungen Ihrer Klientel und Ärger mit den Rechtsabteilungen des Wettbewerbs.

Ob zu befürchten steht, dass die Aufforderung „friende uns – unter allen neuen Freunden verlosen wir ein IPad“ ebenfalls eine Anstiftung zu wettbewerbswidriger, verschleierter, werblicher Kommunikation darstellt ist mir schleierhaft. Das darf es auch ruhig sein, ich bin nämlich kein Jurist, insofern möchte ich auch darauf hinweisen, dass meine sämtlichen Aussagen in diesem Beitrag laienhafte Überlegungen zu einem Artikel von Rechtsanwalt Dr. Carsten Ulbricht darstellen und  diese von mir ohne jeden Anspruch auf Gewähr wiedergegeben werden.

Wie wird „der Markt“ mit diesem Problem umgehen?

Was aber, wenn Verträge geschlossen werden, in denen nicht eine konkrete Leistung der Agentur honoriert wird, sondern ein Ergebnis, also z. B. neue Likes oder neue Kommentare von Usern. Verbunden mit einer monatlichen Steigerung um soundsoviel Prozent. Natürlich sind die Verträge mit dem Hinweis garniert, dass natürlich keine (!) gefälschten Benutzer und Beiträge  von der Agentur erstellt werden dürfen. So einen ähnlichen Vertrag schließt dann die Agentur auch mit Ihren externen „Agents“. Die sind frei darin, wie Sie die gewünschte Resonanz erzeugen, so lange sie sich an die Vertragsbedingungen halten und keine gefälschten Benutzer und Beiträge erstellen oder erstellen lassen. Die Agents rechnen dann gegenüber der Agentur die „erwirkten“ Leistungen ab. Sie könnten z.B. in der Fußgängerzone Passanten ansprechen und diese bitten den Agenturkunden zu liken oder einen netten Kommentar zu schreiben – natürlich ganz freiwillig und aus eigener Motivation. Für jeden „generierten“ Like wird der Agent bezahlt – und die Agentur für die Likes durch deren Agents. Sollten Vertragspartner der Agentur feststellen, dass sich Agents NICHT an die vereinbarten Regeln halten sondern selbst Userprofile anlegen und Likes fälschen, so riskiert die Agentur evtl. ihr Honorar, ist aber letztlich hierfür nicht verantwortlich. Der Agent riskiert in so einem Fall außer seinem Honorar eine Schadensersatzforderung der Agentur und ein Strafverfahren wegen Betrugs, sollte sich also gut überlegen, worauf er sich einlässt.

Obiges Szenario ist natürlich rein spekulativ. Genau so spekulativ, wie  ja auch der Marktforschung schon seit Jahrzehnten unterstellt wird, das Fälschungspotential durch unterbezahlte Interviewer geschäftstüchtig auszunutzen.

In Wirklichkeit geht natürlich – und vor allem in der Werbung – alles korrekt, ehrlich und immer mit rechten Dingen zu.

Wie verhindert man dass man auf Fakes herein fällt?

Susanne Popp

…schrieb in ihrem Blog Dialogtexte.com über Fake-Accounts, die sie bei facebook entdeckt haben will.

Mir ging es bei der Lektüre ein bisschen so, als würde  ein 5jähriger davon erzählen, dass die Ostereier in Wirklichkeit gar nicht vom Osterhasen stammen, weil Hasen gar keine Eier legen. Ach, nee, wirklich?

Ich sage es mal mit Buddha: „Believe nothing, no matter where you read it, or who said it, no matter if I have said it, unless it agrees with your own reason and your own common sense.“

Hymne und früheres Design

Das Original-Briefpapier von 1990. Design: Armin Stingl

HADIAG Software „Kommandofolgen für Rechenmaschinen“ gab es von 1989 bis 93. Wir waren jung, toll, hatten kein Internet, kaum Kunden – und kein Geld. Aber eine Firmenhymne: HADIAG HymneKomposition: Reiner Wahler. Grafikdesign: Armin Stingl

Fake-Identities der nächsten Generation

Jederman sollte sich im klaren darüber sein, dass hier und heute das Medium Internet von interessierter Seite genutzt wird um Meinungen zu machen, natürlich auch unter Zuhilfename virtueller Identitäten. Diese Virtualities haben Freunde, schreiben Kommentare und verhalten sich eigentlich ganz normal – vor allem aber im Sinne ihrer zahlenden Auftraggeber. Ein Auftraggeber bezahlt aber natürlich nicht die Einzelpersonen für Ihre „Meinungsbildung“ sondern Agenturen, welche viele solcher Meinungsbildner ins virtuelle Meinungsgefecht senden.

Eine neue Evolutionsstufe scheint jetzt erreicht. Warum es bisher „echte“ PR-Agentur-Mitarbeiter, welche das Heer der Virtualities steuerten so gibt es mittlerweile Software, welche es ermöglicht die Virtualities zu steuern und zu manipulieren.

Weitere interessante Informationen zu dem Thema finden Sie bei heise.de.

Sind „Virtualities“ unehrenhaft?

Sogenannte „Virtualities“, Social-Networks-Benutzer, die keiner real existierende lebende Person entsprechen, sondern lediglich eine solche darstellen, werden eingesetzt um Leben und „die richtigen“ Meinungen im Internet zu verbreiten. Dies begann damit, dass vor Jahren die großen Markenartikler für Leben auf ihren eigenen Internetforen sorgen und diesen Starthilfe geben wollten. Einmal auf den Geschmack gekommen blieben die Markenmanager und ihre Agenturen bei ihren virtuellen Identitäten, diese kommentierten auch mal fremde Blog- und Foreneinträge und so entstand in manchen Agenturen ein Heer von Menschen, die nichts anders machen als unter fremden Namen Meinungen zu verbreiten. Und dafür werden sie bezahlt.

Pfui Teufel – meinen Sie – und halten das für höchst verwerflich?

Was aber ist mit den Filmchen, bei denen z.B. eine vermeintliche Hausfrau und Mutter im Supermarkt oder auf dem Parkplatz angesprochen wird und ganz locker erzählt, wie toll sie eine Süßigkeit oder ein Waschmittel findet. Fänden Sie es auch verwerflich, wenn Sie erfuhren, dass es sich dabei um eine bezahlte Schauspielerin handelt und Produktion und Verbreitung von der Industrie bezahlt werden? Selbstverständlich ist das so – und es wird auch nirgends eingeblendet: Achtung dies ist KEINE persönliche Meinung eines ganz normalen Verbrauchers, sondern eine BEZAHLTE WERBUNG.

Aus Sicht der Industrie und der Agenturen ist es kein wesentlicher Unterschied ob man einen Werbespot bezahlt und aussendet um damit eine bestimmte Meinung zu verbreiten, oder ob man dies erreicht, indem man Beiträge in Foren und bei facebook schreiben lässt.