„Schilda“-Maler Ulrich…

Nürnbergs Baureferent Ulrich scheint in seiner Rolle als Spaßvogel aufzugehen. Neulich amüsierte ich mich an dieser Stelle über seine Leistung eine Radwegeunterbrechung in „Shared Space“ umzubenennen.

Legal, Illegal, Scheißegal – so kreativ interpretiert die Verwaltung in Nürnberg die StVO.

Heute lese ich im Nürnberger Stadtanzeiger, dass er sich nun als „Schilda“-Maler betätigt hat und Schilder auf dem Asphalt malen lässt, die es gar nicht gibt. Mag ja sein, dass andernorts in Deutschland die StVO gilt. Hier in Nürnberg anscheinend nicht. Da werden jetzt Schilder auf die Straße gemalt, die auf große Kreativität und geringe Sachkenntnis schließen lassen. Es sind nämlich keine Verkehrszeichen und sie haben somit auch keinerlei rechtliche Auswirkung. Dumm nur, wenn sich ein Verkehrsteilnehmer daran orientiert und es deshalb zu einem Unfall kommt. Denn dann könnten solche Pflastermalereien für die Stadt Nürnberg teuer werden. Aber was soll´s, das zahlt ja der „Schilda“-Maler nicht aus seiner eigenen Tasche.

Herr Ulrich, falls Sie mal wieder pflastermalen wollen, wir haben hier eine Privatstraße auf der sie mit unseren Kindern malen können ohne dadurch den Verkehr zu gefährden.

4 Wochen sind kein Monat…

… offensichtlich ist diese Banalität vielen Menschen nicht bewusst, anders wäre die jetzt auch von Tchibo Mobil kopierte Idee der Mobilfunkanbieter kaum zu erklären.

Erstmal fiel mir das bei ALDI auf, da kostet der Mobilfunktarif nur 9,99€ pro 4 Wochen. Clever, dachte ich mir 52 Wochen durch 4 ergibt 13 – also innerhalb eines Jahres ein ganzer Monat Mehreinnahmen gegenüber den monatlichen Tarifen wie wir sie kennen.

Mittlerweile lese ich überall nur noch von Tarifen mit einer Zeitangabe 4 Wochen. Erschreckend finde ich dabei, dass dieser Trick anscheinend funktioniert, was starke Zweifel an der allgemeinen Beherrschung der Grundrechenarten weckt. Wie haben diese Leute nur die 3. Klasse Grundschule geschafft?

Was kommt als nächstes? Ein Tarif der wöchentlich abrechnet – und zwar für jede angebrochene Woche? Das wäre richtig lukrativ, denn in den meisten Monaten beginnen 5 oder sogar 6 Wochen (nur 28 tägige Februare schaffen es jedes 7. mal mit 4 Wochen aus zu kommen)

It´s not a bug, it´s a feature!

Foto des auf 15m unterbrochenen 2017 neu gebauten Radweges am Nürnberger Hauptbahnhof.
Andere mögen dies „Unterbrechung eines Radwegs“ nennen, Nürnbergs Baureferent Ulrich nennt das „Shared Space“.

Ja die Radfahrer. Denen kann man es nicht Recht machen. Baut man ihnen Radwege, meckern sie rum, die wären zu schmal oder zu holprig oder sie haben einen Anfang und ein Ende. Baut man keine, ist es auch nicht Recht.

Doch zum Glück gibt es Fachleute, die den Radfahrern erklären können, dass alles so wie es ist seine Richtigkeit hat. Es liegt nur an den Radfahrern, dass sie nicht sicher und schnell voran kommen. Und dass nur sehr hartgesottene Zeitgenossen den Umstieg auf das Rad als Verkehrsmittel wagen – dafür kann ja niemand was, vor allem nicht die Planer, die haben schließlich immer alles richtig gemacht.

Ich habe lange gebraucht um zu verstehen, dass es nicht die Unfähigkeit der Verantwortlichen ist, die mir als Radfahrer das Leben so schwer macht. Nein, sie wissen was sie tun! Nürnbergs Baureferent Ulrich z. B. der fühlt sich missverstanden, schließlich sei er wohl dafür verantwortlich, dass der neu gebaute Radweg an der Hauptverkehrsachse Nürnbergs schlechthin, direkt vor dem Hauptbahnhof, für einige Meter unterbrochen wird.

Die undankbaren Radfahrer, die dort entlang brettern verstehen die gute Absicht nicht, die zur Unterbrechung des Radweges geführt hat. Nein, es handelt es sich keinesfalls um eine Fehlplanung und eine plötzliche Unterbrechung mit Gefährdung von Fußgängern und Radfahrern, es ist Absicht. Und weil Absicht langweilig klingt und ihm das keiner glauben würde, hat Herr Ulrich vermutlich Verkehrsplanerseiten besucht und dort den schönen Begriff „Shared Space“ gefunden. „Shared Space“ ist ein interessantes Konzept zur Entschleunigung von Verkehrsflächen dadurch, dass man diesen Raum für alle gemeinsam nutzbar macht. Interessante Lektüretipps für Hr. Ulrich, vor allem aber diejenigen, die sich für Verkehrsplanung interessieren:

Mit einer 15 m breiten Unterbrechung eines innerstädtischen Radweges an einem Kreuzungsbereich hat „Shared Space“ ungefähr so viel zu tun wie eine rote Ampel mit dem Rotlichtviertel.

Ich frage: Warum ist das den Frankenschnellwegsausbaukritikern nicht eingefallen? Die Kreuzungen am Frankenschnellweg sollten als eine innovative Shared Space Maßnahme betrachtet werden. Vielleicht ließen sich noch ein paar Bänke und Pfosten auf der Straße anbringen, um das Gesamterscheinungsbild zu verbessern? 40 Tonner, Radfahrer und Fußgänger teilen sich an einer mit Parkbänken dekorierten, zum verweilen einladenden, unterbrochenen Autobahn die Fläche und pflegen statische Mobilität in gemeinsamer Harmonie! Schade nur, dass man dann nicht so viel Geld verbraten könnte, wie mit dem anstehenden Umbau. Wohin nur mit den gesparten Millionen? Vielleicht ließen sich ein paar Hunderttausend EUR in einer Studie versenken, die ermittelt, welche positiven Auswirkungen dieser Shared-Space-Frankenschnellweg auf Anwohner wie Fern- und Nahverkehr hat?

Hätten wir in Nürnberg einen Verbalsadismuspreis zu vergeben: Ich würde in jedem Fall Baureferent Ulrich nominieren!

 

siehe auch:

Für wen werden Radwege gebaut?

Weshalb gibt es eine Radwege-Benutzungspflicht und wer hat sie eigentlich eingeführt?

Jeder Radfahrer kennt das Ärgernis schlechter Radwege. Die meisten Radfahrer regen sich darüber auf. Autofahrer empfinden es als Großzügigkeit, dass man für Radfahrer einen eigenen Radweg gebaut hat. Sie erwarten, dass Radfahrer diesen auch nutzen. Egal in welchem Zustand er ist. Egal ob er dorthin führt, wo der Radfahrer hin möchte. Radfahrer auf der Fahrbahn werden von vielen Autofahrern geschnitten und genötigt. Ihre Gefährdung wird von Autofahrern oft in Kauf genommen, um diese auf den Radweg zu verweisen.

Doch weshalb wurde die Radwegebenutzungspflicht eingeführt? „Für wen werden Radwege gebaut?“ weiterlesen

Seien Sie der Chef über Ihr E-Mail-Postfach

Sie – als Chef – wie verhalten Sie sich? Haben Sie für jedermann immer eine offene Tür oder wimmeln Sie erst einmal alle ab? Fragen Sie Befürworter der offenen Tür-Strategie, dann werden Ihnen diese erklären, dass dadurch viele Probleme schon im Vorfeld aus der Welt geräumt werden können, vieles sofort geklärt werden kann und dadurch keine unnötigen Ressourcen aufgewendet werden müssen. Die Abwimmler unter den Chefs werden auch gute Argumente dafür anführen können und davon überzeugt sein, dass Menschen mit Themen die wichtig sind, sich nicht so leicht abwimmeln lassen und ihr Anliegen in jedem Fall erneut vortragen werden.

Doch was hat das mit E-Mail und Spam zu tun?

Auch hier sind beide genannten Strategien umsetzbar.
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